[Neu im Regal] Von Musiklehrern und Königskindern

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, ab 2017 jeden Monat nur noch ein Buch zu kaufen, um den Stapel ungelesener Bücher zu entlasten. Tja, daraus ist im Januar schon mal nichts geworden.

Obwohl: Die Bücher, die diesen Monat bei mir eingezogen sind, werden spätestens im April ausgelesen sein, denn ich habe sie nach meinen monatlichen Themenaufgaben ausgewählt.

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Gleich drei neue Bücher sind im Januar bei mir eingezogen, zwei davon aus dem Königskinder Verlag.

Im Februar werde ich meinen verschobenen Benedict Wells-Monat nachzuholen. Eigentlich wollte ich bereits im Dezember 2016 all seine grandiosen Bücher lesen, aber da kamen mir die Luna-Chroniken dazwischen. Februar wird also mein Wells-Monat und dafür musste meine Sammlung einfach komplett sein. Vom Ende der Einsamkeit, Fast genial und Spinner befinden sich schon seit 2016 in meinem Regal. Komisch, dass mir ausgerechnet das allererste Buch fehlte. Mit Becks letzter Sommer ist mein Bücherstapel für Februar endlich komplett. Roadtrip eines Musiklehrers? Da musste ich doch einfach zugreifen. Da ich bereits einige Bücher von Joey Goebel (Wells‘ Lieblingsautor, so weit ich das verfolgen konnte) kenne, hege ich große Hoffnungen, dass mir Benedict Wells Bücher ebenso gut gefallen werden. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Die anderen beiden Bücher sind Backlist-Titel aus dem Königskinder Verlag. Irgendwie hatte ich das Carlsen Imprint überhaupt nicht auf dem Schirm. Das änderte sich, als ich von der Aktion „Das Jahr der Königskinder“ gehört habe, bei der sich Blogger zusammenschließen, um ein Jahr lang Königskinder-Bücher zu lesen. Da wurde ich neugierig und hab mich auf der Homepage umgesehen – und zack, gleich mal meine Wunschliste ergänzt. Bei den Königskinder-Büchern handelt es sich um spezielle und anspruchsvolle Jugendbücher. Mich hat sowohl Die Anatomie der Nacht von Jenn Bennett (was für ein Titel!) als auch Zwischen zwei Fenstern von Dianne Touchell allein vom Klappentext her so fasziniert, dass sie einfach in den Einkaufsbeutel hüpfen mussten.

Es sind zwei zarte, vollkommen unterschiedliche Geschichten über die junge Liebe. Während die eine eine Annäherung über die Kunst und die Freiheit versucht, zeigt die andere, wie nah und doch fern zwei Menschen sein können. Klasse finde ich es auch, dass jedes Königskinder-Programm eine eigenständige, ganzheitliche Gestaltung hat. Das nächste KöKi-Werk hab ich mir schon für den März ausgeguckt und freue mich sehr auf Der Koffer.

Was habt ihr euch im Januar gekauft? Teilt es mir doch einfach in den Kommentaren mit, ich freue mich immer über Buchanregungen!

[Rund ums Lesen] Der Zauber des ersten Buches im neuen Jahr

Sechzehn Stunden brauchte ihr Satellit, um den Planeten Erde zu umrunden.

Mit diesem Satz startete mein Buchjahr 2017. Er stammt aus Wie Sterne so golden von Marissa Meyer, dem dritten Band der Luna-Chroniken. Einige von euch haben sicherlich noch Bücher aus dem alten Jahr mit ins neue genommen. Da ich meine „Altlast“ von 2016 noch vor Neujahr beenden wollte, habe ich Wie Blut so rot am Silvesterabend zu Ende gelesen. Einfach aus dem Grund, dass ich ganz neu in 2017 starten wollte. Weil ein Zauber darin liegt, das erste Buch eines neuen Jahres auszuwählen und die erste Seite aufzuschlagen.

Jedes neue Jahr ist ein unbeschriebenes Blatt: Vor einem liegen ganze 365 Tage, die man mit schönen Dingen und Erinnerungen füllen kann. Die Terminkalender sind noch leer. Man hat das Gefühl, alles ist auf Reset gesetzt worden. Auch lesetechnisch. Die Goodreads-Challenge steht auf Null, das „Gelesen in 2017“-Regal ist noch leer und auch in meinem Lesejournal ist noch kein einziger Strich gesetzt. Wenn man dann das erste Buch des neuen Jahres in die Hand nimmt, ist es so, als würde man den ersten Schritt in frisch gefallenen Schnee setzen.

Im letzten Jahr habe ich viel Lesezeit mit Büchern in den Sand gesetzt, die entweder die Zeit nicht Wert waren oder die ich letztlich abgebrochen habe. Ich habe mich viel zu sehr darum gekümmert, aktuelle Bücher so schnell wie möglich zu lesen, um noch ein Stück vom Aktualitätskuchen abzubekommen. Sprich, das meine Beiträge gelesen werden, wenn das Buch noch „heiß“ und frisch auf dem Markt ist. Ich muss zugeben, dass ich bei der Auswahl dann oftmals ein Auge zugedrückt habe. Wird schon gut sein, hab ich mir gedacht. Einige waren wirklich gut und ich bin froh, sie frühzeitig gelesen zu haben. Sie in einer Zeit gelesen zu haben, die sich genau richtig angefühlt hat. Der Druck, aktuell und auf dem Laufenden zu bleiben, hat mich aber später eingeholt.

Dieses Jahr schalte ich zurück – nicht nur einen Gang, denn ich lege mehr oder weniger den Rückwärtsgang ein. SuB-Abbau ist das große Stichwort. Anstatt den neuesten Büchern in der Buchhandlung nachzujagen, schaue ich erst mal in den eigenen Bücherschrank. Damit ihr es nicht falsch versteht: Ich habe kein Buchkaufverbot. Aber ich möchte mir dieses Jahr wirklich nur Titel zulegen, von denen ich hundertprozentig überzeugt bin, sie auch aus vollem Herzen und mit Inbrust lesen zu wollen. Ich lasse mich auf keine „Na gut“-Kompromisse mehr ein, was Rezensionsexemplare angeht. Dieses Jahr möchte ich kein Buch abbrechen müssen und lieber bewusster lesen.

Daher ist das erste Buch des neuen Jahres für mich so wichtig. Es ist zum Teil mein Motivationsbarometer und dieses Jahr sieht es richtig gut aus, denn ich habe das 569 Seiten-Buch Wie Sterne so golden geradezu verschlungen und es geliebt. Es ist zu der kleinen 1 geworden, an die ich mich das ganze Jahr über erinnern werde, während ich die Themenaufgaben weiterverfolge. Ja, wenn ich heute also auf meine Aufgaben für das Bücherjahr schaue, habe ich das erste Mal das Gefühl, sie auch bewältigen zu können. Sie spornen mich an, ohne mich unter Druck zu setzen – und ich werde für die Aufgaben nur Bücher auswählen, die ich dieses Jahr unbedingt lesen will.

Wie sieht’s bei euch aus? Hat das erste Buch des neuen Jahres auch eine besondere Wirkung auf euch? Wie geht ihr mit den Neuerscheinungen und eurem Stapel ungelesener Bücher um? Könnt ihr da eine Balance finden? Ich bin gespannt auf eure Gedanken!

[MS-Tagebuch] Diagnose

Hallo MS,

das erste Jahr mit dir ist fast rum. Naja, eigentlich kennst du mich schon wesentlich länger als ich dich. Irgendwie ist das unfair.

Natürlich, du hast dich schon vorher bemerkbar gemacht. Sozusagen ans Fenster geklopft und ich hab einfach nicht rausgeschaut.
Kribbelnde Finger hier, ein elektrisch-ziehendes Gefühl in der Wirbelsäule da. Lhermitte-Zeichen wegen MS? Quatsch, ich doch nicht. Das ist bestimmt Vitamin B12-Mangel.
Aber musstest du letztes Jahr im März gleich das Fenster einschmeißen? Metaphorisch gesehen hat mich dein Stein dabei sogar getroffen, denn ich konnte plötzlich nicht mehr sehen. Tja, das hatte ich nun vom Ignorieren.

Also war ich im März im Krankenhaus. Hirnstammsyndrom wurde zuerst bei mir diagnostiziert. Ich hoffe einfach, dass das wieder weggehen würde – am besten von alleine.
Drei Tage, zwei Magnetresonanztomografien und eine Lumbalpunktion später saß ich in einem Behandlungszimmer, umringt von Ärzten der Neurologie, die um den heißen Brei herumredeten, um mich nicht gleich mit der Diagnose zu erschlagen. Als ich stoisch fragte „Ist es MS?“, guckten mich 10 Augenpaare ein wenig mitleidig, aber auch überrascht an. Überrascht, dass ich es ahnte. Überrascht, dass ich nicht in Tränen ausbrach, als der Chefarzt mir sagte, dass ich damit vermutlich schon 10 bis 15 Jahre lebe. Überrascht, als ich sagte, ich hätte vor 2014 nie etwas Seltsames bemerkt.

Ich wollte nie eine Erkrankung des Gehirns oder der Augen bekommen. Plötzlich hatte ich beides gleichzeitig. Die Tränen kamen erst, als ich das Behandlungszimmer verließ und zu meiner Familie lief, obwohl man mir Broschüren zur Krankheit Multiple Sklerose ins Krankenzimmer bringen wollte. Wir weinten zusammen.

Was sollte ich nun mit der Diagnose Multiple Sklerose anfangen? Der klinisch zweite Schub, meine wackelnden Augen, verging langsam und ich bekam eine Basistherapie mit Tecfidera. Ich war sehr „begeistert“ davon, nun täglich zwei riesige minzgrüne Kapseln schlucken zu müssen, damit die T-Zellen nicht dauernd an meinen Nervensträngen herumkauten. Aber ich informierte mich über die Krankheit. Las die Broschüren, die ich im Krankenhaus damals am liebsten heulend aus dem Fenster geworfen hätte. Ich sah ein, dass ich die MS nicht mehr loswerden würde, egal, was ich tat.

Ich hab also begonnen, es irgendwie als normal anzusehen. Das war ein langsamer Prozess, der mit Angstzuständen, dunklen Gedanken und dem typischen „Warum ich?“ einherging. Aber je mehr ich über die Krankheit lernte, desto weniger wurde das „Warum ich?“.

Die MS gehört jetzt zu mir und ich kann darüber entscheiden, ob ich glücklich mit ihr Seite an Seite leben will oder ob sie mich wie ein dunkler Schatten verfolgen soll. Ich habe mich für ersteres entschieden. Auch wenn ich die Krankheit noch nicht lange genug kenne, um genau zu unterscheiden, was Schub und was Symptom ist, fühle ich mich nicht mehr so hilflos. Ich habe keine akute Angst mehr, im Rollstuhl zu landen.

Trotzdem denke ich oft über die MS nach, aber sie bestimmt nicht meinen Tagesablauf. So lange ich keine Symptome spüre oder einen Schub auskuriere, fühle ich mich nicht krank. Und damit lässt es sich leben. Auch mit den regelmäßigen Bluttests und den Besuchen in der MS-Sprechstunde. 2016 hat vieles verändert, aber das hindert mich nicht daran, der Zukunft positiv entgegenzusehen.

Hörst du, MS, wir packen das schon – wenn du mich lässt.

Auf eine schubfreie Zeit,
deine Caro